Allerheiligen am Strand und andere tropische Maerchen
15 11 2010Hallo, good afternoon, salut, buona sera & maayong hapon!
Obwohl mir von gewissen aufmuepfigen juengeren Schwestern versprochen wurde, dass sie nach Davao kaemen, falls ich nicht bald mal wieder was Richtiges bloggen wuerde, ist hier der lang und heiss ersehnte neue Blogeintrag. (Esther, das naechste Mal nehme ich dich beim Wort!)
Als kleine Entschaedigung fuer lange Wartezeiten habe ich noch ein paar Fotos im Oktoberartikel hochgeladen. Es gibt wie gesagt technische Probleme, da mein Computer den Geist aufgegeben hat und der PC auf der Arbeit mit Linux arbeitet, was mit meiner Kamerasoftware nicht kompatibel ist… aber jetzt habe ich eine Uebergangsloesung gefunden, das hat aber ein bisschen Zeit gekostet.
Es ist schon Mitte November, aber das faellt mir irgendwie schwer zu glauben. Es ist halt heiss und sonnig die meiste Zeit, das findet mein Koerper seltsam. Habe in den letzten Wochen auch Schlafprobleme und wenig Appetit gehabt. Wird zwar allmaehlich besser, aber ich glaube, mein Biorhythmus vollzieht gerade noch eine schwierigere Anpassungsphase. Andererseits konnte ich den 1. November am Strand verbringen, was wohl ein grossartiger Vorteil des Lebens in den Tropen ist. Ausserdem haben wir gerade das dritte lange Wochenende in vier Wochen, das ist natuerlich auch super!
Die Begruessung gibt schon einen kleinen Hinweis darauf, dass ich mittlerweile sprachliche Fortschritte mache. Besuche seit 3 Wochen einen Intensivkurs Cebuano und versuche, soviel Grammatik und Vokabular in mein Gehirn zu packen wie moeglich. Da ich einen verkuerzten Kurs mache, und Cebuano voellig anders aufgebaut ist als alles, was ich bisher gelernt habe, war ich gegen Ende der letzten Woche ziemlich frustriert. Ich kriege zwar gutes feedback von meinen Lehrern, aber ich bin gerade an einem Punkt, wo ich das Gefuehl habe, dass ich nicht noch mehr lernen kann und dass ausserdem das meiste, was ich letzte Woche noch konnte, schon wieder verloren geht, weil sich in meinem Kopf alles vermischt. Ich erspare euch detaillierte Beschreibungen, aber lasst mich nur sagen, dass es keine Subjekte und Objekte gibt, und man dafuer ungefaehr 40 verschiedene Affixe an die Verben anhaengt. Dazu kommen unzaehlige kleine Partikel, die je nach Kontext etwas voellig anderes bedeuten koennen und die man nicht immer findet, weil sie gemeinerweise direkt an Woerter angehaengt werden, wodurch der Wortstamm etwas obskur wird. Oh, und die kulturelle Neigung zu Indirektheit und Ueberinterpretation wird auch in voellig schleierhaften Satzstrukturen abgebildet. Ich bin begeistert. Naja, immerhin verstehe ich schon mehr auf dem Markt und im Jeep und so, das ist ja schonmal etwas. Ich habe noch eine Woche Sprachkurs und danach muss ich dann versuchen, mit meinen Freunden zu ueben. Filipinos finden es uebrigens immer ziemlich lustig, wenn Weisse versuchen ihre Sprache zu sprechen, aber es ist eine positive Ueberraschtheit, die sie lachen laesst. Generell sind sie es naemlich nicht gewoehnt, dass man sich die Muehe gibt. Wenn sie sich ueber meine Brocken wie wahnsinnig freuen und lachen, wenn ich zu bezahlen versuche, freue ich mich auch immer. (Papa, erinnerst du dich noch an die franzoesische Baeckereiverkaeuferin auf dem Campingplatz, die immer gelacht hat, wenn ich als Sechsjaehrige oder so versucht habe Franzoesisch zu sprechen? So aehnlich ist das hier auch.)
Ein paar Impressionen. Achja, die Schule gehoert einem Orden und bildet vor allem katholische Missionare aus. Ist aber trotzdem ganz nett und sie zwingen mich auch nicht, die Messe zu besuchen.

Grammatikunterricht. Die schoenen Hinterkoepfe gehoeren zu Sister Bless und Brother Gustavo, zwei meiner vier Klassenkameraden.


Francois und ich geben vorruebergehend auf.

Der schoene Garten der Sprachschule. In den Pavillons haben wir Einzelunterricht, z.B. Grammatikdrills oder Dialog.
In der Nacht vor meinem ersten Schultag hat es so heftig geregnet, dass die Strasse um die Ecke von meinem Haus komplett ueberflutet war. Ich musste die Hose hochkrempeln und durch wadenhohes Wasser waten (igitt!!), um einen Jeep zu bekommen… Strassen und Transport sind eine einzige Katastrophe, wenn es hier heftiger regnet. Und das kommt ja oefters mal vor. Ich glaube, es wird hier in Zukunft noch zu riesigen infrastrukturellen Probleme kommen, wenn alles so weiter waechst, aber nie in irgendwas wirklich investiert wird. Hatte an dem Tag leider keine Kamera dabei, aber ich habe ein Foto von einer typischen Strasse nach schwaecherem Regen:

Huebsch, nicht wahr?
Was meine Freizeit und meine Freunde angeht, bin ich auch weiterhin sehr froh hier. Gestern zum Beispiel war ich bei Freunden eingeladen, um einen ueberaus wichtigen Boxkampf anzugucken. Man muss dazu sagen, dass dieser Boxer, von dem ich vorher natuerlich noch nie gehoert habe, Pacquiao, anscheinend momentan die Boxgeschichte neu schreibt. Jedenfalls wenn man den Filipinos glaubt – ich habe ja keine Ahnung von dem Sport. Aber er hat gestern seinen achten Titel auf Weltniveau gewonnen, ich schaetze, das heisst schon was. Die sind jedenfalls alle total stolz auf ihn und verrueckt nach seinen Kaempfen. Die Kriminalitaetsrate sinkt auf Null, wenn er im Ring steht. Ich finde boxen zwar nicht spannend, aber Lindas Gastfamilie, mit der ich ja auch befreundet bin, hat ein paar Leute eingeladen, es gab mal wieder wahnsinnig leckeres Essen und es war einfach total gemuetlich. Haben den gesamten Sonntag gefaulenzt, Pacquiao hat gewonnen, abends gab es wieder Essen (hmmmm, Thunfisch!) und dann haben wir Mamma Mia geguckt. Sehr, sehr entspannt. Oder letztens hatte die Kali-Gruppe ein grosses Turnier und am Abend danach eine Party aufgrund ihres 13jaehrigen Bestehens, davon gibts auch ein paar Fotos:

Wunderbarer Abend. Erwaehnte ich schon, dass Filipinos Musik lieben und man ihnen nur eine Gitarre in die Hand druecken muss, damit sie den ganzen Abend gluecklich sind?

Ruby und ich - glueckliche runde Gesichter 😉

Linda und Dennis. Meine beiden besten Freunde hier 🙂
Gleich geh ich mit Linda Kaffee trinken und spaeter bin ich bei Tania und Francois (meine schweizer Kollegin und ihr franzoesischer Mann, mit denen ich momentan im Sprachkurs bin) zum Tempeburger essen eingeladen. Tempe ist wohl eine Form indonesischer Tofu und die beiden lieben es. Da es bei mir im Haus ja nie Essen gibt, muss ich es immer nutzen, dass meine Freunde kochen koennen. Hehe 😉 Ausserdem sind die beiden auch super. Tania geht ab Januar leider in unser neues Buero in Butuan, im Norden, aber unsere gemeinsame Zeit hier in der Schule macht Spass.
Ich gruesse euch alle ganz herzlich, schreibt mir viele Emails und Kommentare!
Eure Lara
Na endlich! Ich dachte schon, du bist völlig verloren da drüben. In Pawlodar hats heute nacht das erste mal gefroren. Es wird kalt. Da beneide ich dich doch um deinen Traumstrand.
Das mit der Sprache kann ich übrigens gut verstehen. Dieses Russisch macht mich wahnsinnig. Nur, dass die hier praktisch kein Englisch sprechen. Deswegen sind Gespräche immer noch sehr, sehr schwer. Bähhh!
Lass mal wieder skypen. Küsschen, Nena
Also, dann mecker ich diesmal mal nicht! Der Garten der Sprachschule sieht ganz schön toll aus (du Sau, tropisch!) – die Straße sieht dagegen aus wie in Indien. Trägst du brav Plastiksandalen, die man nachher ordentlich abwaschen kann? 😉 Es wird Winter, das ist doof, aber dafür sind ab heute die Eltern zwei Tage hier! Das ist schön, aber du wirst mir dann bestimmt besonders fehlen. Hol dir keinen Sonnenbrand da drüben! Kuss, Esther