Das Projekt
Seit 2008 besteht das Projekt des Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD) auf den Philippinen. Besonders auf der größten Insel im Süden, Mindanao, sind viele Konflikte präsent und sie sollen mit Mitteln des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) bearbeitet werden. Für allgemeine Informationen, was der ZFD ist, welche Organisationen in dem Bereich aktiv sind und welche Projekte es gibt, empfehle ich euch die Homepage des Konsortium Ziviler Friedensdienst.
Erst einmal ist es nicht richtig, über “den” Mindanaokonflikt zu sprechen. Hier überlagern sich einige Konfliktlinien in verschiedenen Regionen. Im Westen und im Zentrum Mindanaos herrscht der sogenannte Bangsamorokonflikt – eine muslimische Minderheit kämpft für Autonomie vom christlich dominierten philippinischen Zentralstaat. An vielen verschiedenen Orten in Mindanao rebelliert eine kommunistische Widerstandsgruppe. Und durch den Ressourcenreichtum treten über die Insel verteilt Spannungen auf, wenn es aufgrund von Bergbau und Agrarwirtschaft Streitigkeiten um Landnutzung gibt, wovon vor allem die ländliche indigene Bevölkerung betroffen ist.
Das forumZFD ist auf Mindanao mittlerweile an drei Standorten präsent: Unser Büro in Davao ist sozusagen die Zentrale, beherbergt die Programmleitung und koordiniert alle Aktivitäten. Davao ist die größte Stadt in Mindanao und bietet sich als politischer, wirtschaftlicher und logistischer Knotenpunkt für diese Rolle an. Ein anderes Projektbüro befindet sich in Cotabato City in Zentralmindanao und damit im Herzen des Bangsamorokonflikts. Und der neueste Standort ist in Butuan. Diese Stadt befindet sich im Norden der Insel in der Caraga-Region, die besonders reich an Bodenschätzen ist. Dort beschäftigen wir uns also vor allem mit den Landkonflikten.
Unsere Arbeit besteht darin, dass wir mit vielen lokalen Akteuren kooperieren, die sich auf verschiedenen Ebenen und auf verschiedene Arten für Frieden engagieren. Das bedeutet also, dass wir nicht noch einen eigenen Ansatz zur Konfliktlösung in die bereits existierende Vielzahl von Friedensinitiativen einbringen. Vielmehr sind wir beratend, unterstützend und planend tätig. Die Situationsanalysen zu Beginn der Arbeit des forumZFD in Mindanao ergaben zum Beispiel, dass viele der lokalen Organisationen es für sinnvoll hielten, wenn ein Akteur von außen bei der regionalen, nationalen und internationalen Vernetzung helfen würde. Auch die Stärkung von Kapazitäten im Bereich der Medienarbeit war erwünscht. Das forumZFD ist als allparteilicher Akteur in der Lage glaubwürdig mit allen Organisationen zusammenzuarbeiten.
Einer unserer Hauptakzente liegt auch darauf, auf die historischen Ursachen der Konflikte und die berechtigten Ansprüche aller Konfliktparteien aufmerksam zu machen. Gerade der Bangsamorokonflikt, der in den Medien am prominentesten ist, wird allzu oft als simpler “Muslime-gegen-Christen”-Kampf dargestellt – und dabei wird oft ignoriert, dass die muslimischen Bevölkerungsgruppen schon viel länger auf Mindanao sind und ihnen erst in den letzten paar Jahrzehnten systematisch Land weggenommen wurde, um das sie jetzt kämpfen. Wir wollen dazu beitragen, dass die festgefahrenen Sichtweisen und Stereotypen aufgeweicht werden, damit ein nachhaltiger und langfristiger Frieden möglich ist.
Zu den bisherigen Projektaktivitäten gehörte unter anderem die Beteiligung an einem Journalistenforum, das auf die humanitäre Situation in den konfliktbetroffenen Gebieten nach dem Wiederaufflammen der Kämpfe 2008 aufmerksam machte; die Beteiligung an einer umfassenden Konfliktanalyse (gemeinsam mit der GTZ, mittlerweile GIZ) in der Caraga-Region; die Teilnahme an einer internationalen Wahlbeobachtermission zu den Präsidentschaftswahlen 2010; die Produktion einer Dokumentation zu den Wurzeln der Konflikte und verschiedenen Friedensinitiativen („Mindanao – Voices for Peace“ – den Link dazu findet ihr im Blog); die Durchführung von mehreren Multimedia-Workshops, in denen verschiedene Medienkompetenzen an MitarbeiterInnen zivilgesellschaftlicher Organisationen vermittelt wurden; die Durchführung einer Veranstaltungsreihe namens „Peace Forum Series“, die sich an SchülerInnen und Studierende richtet und über die historischen Ursachen der Konflikte sowie die Perspektiven von Betroffenen aufklärt.
Meine eigenen Aufgaben im Projekt umfassen sowohl unterstützende als auch selbständige Tätigkeiten. Neben der wöchentlichen Erstellung eines Memos, das unsere Aktivitäten in den Projektbüros an die Geschäftsstelle in Bonn kommuniziert, stelle ich auch einen Pressespiegel zusammen, der einen Überblick über die Berichterstattung über Mindanao ermöglicht und allen Kollegen die Informationsbeschaffung erleichtert.
Desweiteren helfe ich bei allem, was gerade so anfällt – egal, ob das Rechercheaufgaben, Korrekturen von englischen und deutschen Texten, Mitarbeit bei der Buchhaltung, Einkäufe für die Büros in Cotabato und Butuan oder andere Kleinigkeiten sind.
Als größeres selbständiges Projekt ist die Publikation zum Bangsamoro-Konflikt in Zentralmindanao zu nennen, deren Koordination ich von Olivia übernommen habe. Für die deutsche Ausgabe war schon viel fertig, als ich im September angefangen habe. So habe ich den letzten Redigierdurchgang betreut, zwischen allen Autoren, Korrekteuren und Übersetzern vermittelt und letzte Fragen mit der Geschäftsstelle geklärt. Da die Publikation auch auf Englisch erscheinen sollte, hatte ich dort einiges mehr zu tun. Einige Texte, die es nur auf Deutsch gab, waren zu übersetzen und zu editieren. Außerdem musste das Layout koordiniert werden und auch hier alle Schritte mit der Geschäftsstelle und den anderen Beteiligten abgestimmt werden.
In den letzten Wochen habe ich außerdem das Konzept für unseren Projektflyer überarbeitet. Nach der Abstimmung mit der Programmleitung und der Koordination in der Geschäftsstelle ist gerade eine Neuauflage erschienen.
Dazu kommt, dass ich zwei Ideen für eigene Projektinitiativen habe, die ich in naher Zukunft ausarbeiten möchte. Zum einen handelt es sich um ein Modul in der Friedenpädagogik, in der die Friedensverhandlungen im Bangsamoro-Konflikt simuliert werden könnten. Zum anderen interessiere ich mich sehr für die Thematik von Gender und Konflikten. Da ich im Zusammenhang mit meiner Magisterarbeit einiges an Wissen zu diesem Thema angesammelt habe, würde ich gerne recherchieren, ob es auch für die Arbeit des forumZFD auf Mindanao möglich ist, eine Genderperspektive (die im Projektantrag eigentlich vorkommt, in der konkreten Arbeit aber nicht auftaucht) in die Aktivitäten einzubinden. Hier hat Daniel als neuer Programmleiter seit dem 1. März mir seine volle Unterstützung zugesagt und auch mögliche Unterstützung von außen vorgeschlagen, da einige unserer Partnerorganisationen Ressourcen zu beiden Themenfeldern – Friedenspädagogik und Gender – besitzen.
Durch meinen Aufenthalt hier lerne ich einiges über die Realitäten der Entwicklungszusammenarbeit. Vor allem das Ausmaß an organisatorischem Aufwand, der für solch ein Projekt nötig ist, war mir vorher nur schwer vorstellbar. Da ich mich im Studium sehr auf den Bereich der internationalen Zusammenarbeit konzentriert habe, ist dieses Jahr eine wertvolle praktische Ergänzung und kann hoffentlich auch als Entscheidungshilfe für meine Zukunftsplanung dienen. Auch inhaltlich habe ich schon einiges über Konflikte und ihre Transformation gelernt und werde das noch ausbauen.
Wie ihr lesen könnt, bin ich (fast immer) gut ausgelastet und beschäftigt. Manchmal fällt es mir natürlich schwer, wirklich zu glauben, dass ich etwas zur Lösung der Konflikte hier in Mindanao beitrage. Wenn mich diese Erkenntnis trifft und ich Zweifel an dem Sinn dieses Freiwilligendienstes bekomme, führe ich mir immer wieder vor Augen, dass ich als Einzelperson in so einem kurzen Zeitraum kaum erwarten kann, Berge zu versetzen, und dass die Erfolge woanders liegen. Ich freue mich, dass ich meine Kollegen entlasten kann und auf persönlicher Ebene sehr viel mitnehmen kann. Und auch kleine Effekte darf man nicht unterschätzen – das muss man sich nur immer wieder in Erinnerung rufen.