Wonnemonat Mai bei gefühlten 42°C – und wo ist nochmal der April geblieben?

14 05 2011

Ein großes Hallo an alle, die noch immer nicht aufgegeben haben, ab und zu auf diesem Blog vorbeizuschauen!

Ich weiß, es ist einiges an Zeit vergangen seit meinem letzten Eintrag, aber mir kommt es gar nicht so lang vor – die Wochen vergehen wie im Flug. Im Moment ist aber auch einfach so viel los. Bevor ich mehr erzähle, möchte ich euch gerne auf die neue Rubrik „Das Projekt“ aufmerksam machen. Für alle, die sich immer noch fragen, was ich hier mache.

Erster Besuch in Davao

Ende März kam der erste Besuch aus Deutschland. Mario ist fünf Tage in Davao geblieben und es hat Spaß gemacht, alles nochmal durch andere Augen zu sehen und Reaktionen auf das Leben hier zu bekommen. Eigentlich haben wir nur die ganz alltäglichen Dinge unternommen (Karaoke, Kaffee trinken, Mall, Strand, Kali), aber es war trotzdem sehr lustig und abwechslungsreich.

Planungsworkshop

Kurz danach fing dann wieder der Ernst des Lebens an, und zwar in Form eines einwöchigen Planungsworkshops, in dessen Verlauf die strategische Perspektive für die nächsten anderthalb Jahre des Projekts erarbeitet wurde. Der Regionalreferent Südostasien sowie der Leiter der Projektabteilung reisten aus Deutschland an, die Teams aus Butuan und Cotabato kamen nach Davao und alle zusammen verkrochen wir uns für eine Woche in einem Hotel etwas außerhalb der Stadt, um gemeinsam auf gute Ideen zu kommen.

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KollegInnen bei der Arbeit I

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Kolleginnen bei der Arbeit II - Butuan

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Kollegen bei der Arbeit III - Cotabato

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Diskussion im Plenum (standortübergreifend)

Das gesamte PHL Team, außer mir. Die Schilder, die hier hochgehalten werden, gehören zu der großartigen Kampagne www.20-millionen-mehr-vom-militaer.de

Das gesamte PHL Team, außer mir. Die Schilder, die hier hochgehalten werden, gehören zu der großartigen Kampagne www.20-millionen-mehr-vom-militaer.de

Es war eine intensive Arbeitswoche, in der einige Ziele formuliert, Unmengen von kotroversen Begriffen diskutiert, notwendige Maßnahmen ins Auge gefasst, viele Fragen beantwortet und Pläne geschmiedet wurden. Da sich in Davao momentan die Personalstruktur stark verändert, gab es für unseren Projektstandort noch nicht so viel Konkretes zu besprechen und zu planen. (Das macht erst Sinn, wenn neue KollegInnen angekommen und eingearbeitet sind.) Aber es war auch außerordentlich spannend, mal etwas näher an den Planungen und Aktivitäten der Büros in Cotabato und Butuan dran zu sein, da ich die Arbeit dort ja nie live zu Gesicht bekomme. Und es hat mal wieder viel Spaß gemacht, mit allen KollegInnen abends zusammen zu sitzen und sich besser kennenzulernen. Außerdem habe ich strukturell viel über Projektplanung gelernt, da wir eine motivierende und gut moderierende externe Workshopleiterin hatten. Alles in Allem definitiv ein Höhepunkt meines Freiwilligenjahres.

Besuch und Urlaub mit Anne

Da hier ja ein Höhepunkt den nächsten jagt, folgte nur eine Woche später der Besuch meiner besten Freundin. Frau Foe kam eines schönen Samstagabends in Davao am Flughafen an und hatte sich prompt so ungefähr die heißesten Tage, die wir bis jetzt hier hatten, für ihren Besuch ausgesucht. Fünf Tage lang haben wir Davao unsicher gemacht – aufgrund von Jetlag und Klima und genereller fauler Urlaubsstimmung aber auch ohne weltbewegende Sightseeing Aktionen (wo auch in Davao???), sondern mehr in Form von vielen Mangoshakes, einem Spaziergang über den Markt, Touren durch die Stadt, Massage und diversen asiatischen Esserlebnissen.

Die zweite Etappe unseres gemeinsamen Urlaubs führte uns nach Bohol – einer wirklich netten und charmanten Insel in den Visayas, die für die Chocolate Hills berühmt ist. Dort nisteten wir uns in einem süßen Hotel namens Bee Farm ein (eine Empfehlung von Inge – danke nochmal!), wo es unglaublich ruhig war und man wahnsinnig leckeres Essen aus eigenem Bioanbau bekam. Von da an hatten wir einen Rentnerrhythmus – wir sind fast jeden Tag zwischen 5 und 7 Uhr morgens aufgestanden und abends wieder zwischen 9 und 11 ins Bett gegangen. Direkt am ersten Tag wurde dieser Eifer dadurch belohnt, dass wir auf einer Bootstour Delfine gesehen haben. Zwischen 20 und 30 Delfine sind um uns rum gehüpft – es war toll!

Frühmorgens auf dem Wasser.

Frühmorgens auf dem Wasser.

Zwei Tage später haben wir uns Motorräder ausgeliehen und haben eine wunderschöne Tagestour zu den Chocolate Hills gemacht. Der Tag hatte alles – Sonnenbrand, heftige Regengüsse, einsame Landschaften, Meer, Berge, Flüsse, Touristenbusse (die wir lässig links liegen ließen) und viel, viel Spaß!

Zwei begeisterte Motorradheldinnen vor malerischen Schokoladenhügeln.

Zwei begeisterte Motorradheldinnen vor malerischen Schokoladenhügeln.

Den Rest unserer Zeit in Bohol verbrachten wir auf einem hölzernen Sonnendeck (statt Strand, an den wir nicht fahren wollten) mit lesen. Und natürlich mit Essen. Unser letztes Abendessen wurde gekrönt von einem mitreißenden Harfenspieler, der trillernd und klimpernd Coverversionen von Bach bis Beatles zum Besten gab – wir konnten unser Glück nicht fassen!

Gewitter im Anzug.

Gewitter im Anzug.

Nach insgesamt nur 4 Nächten kehrten wir Bohol aber schon wieder den Rücken zu und machten uns auf dem Weg in den Norden von Luzon – der philippinischen Hauptinsel. Nach einem 27stündigen Transfer (Fähre Bohol-Cebu, Flug Cebu-Manila, Taxifahrt in Manila zum Busterminal, Wartezeit, 12stündige Nachtfahrt mit dem Bus von Manila nach Bontoc und einer weiteren Stunde mit dem Jeep) kamen wir an unserem Ziel an – Sagada. Dort gibt es Höhlen zu sehen und Särge, die an Felswänden hängen, sowie Reisterassen – aber eigentlich waren wir viel zu fertig von unserer Fahrt, um wirklich etwas zu unternehmen. Die Busfahrt zeichnete sich durch fast permanente laute Musik (nur zwischen 1 und 4 Uhr morgens war mal Ruhe) und einer Klimaanlage, die sich nicht abstellen ließ, aus. Auch die Tatsache, dass es mein Geburtstag war, konnte die Reisegötter nicht erweichen. So wurde ich um Mitternacht im Bus irgendwo zwischen Manila und den Bergen 24. Es war ein ungewöhnlicher und ruhiger Geburtstag, aber gerade deswegen auch sehr schön.

Bereits am nächsten Tag fuhren wir nach Banaue – das ist drei Stunden Fahrt von Sagada entfernt und berühmt als Ausgangspunkt zu den Reisterassen von Luzon. Die erste Stunde dieser Fahrt machten Anne und ich auf dem Dach eines Jeeps – es war frühmorgens, sodass die Sonne gerade erst aufgegangen war und das atemberaubende Bergpanorama wunderschön anstrahlte. Wieder einmal unbeschreiblich.

Anne und Lara auf landestypischem Verkehrsmittel.

Anne und Lara auf landestypischem Verkehrsmittel.

Panorama während der Fahrt fotografiert.

Panorama während der Fahrt fotografiert.

Auch die Reisterassen, die wir von Banaue aus sehen konnten, waren wunderschön. Die Wanderung dorthin war ziemlich anstrengend, aber es hat sich echt gelohnt. Es ist nur leicht frustrierend, wenn man sich abmüht und dann 12jährige, spindeldürre Jungs, die einen 10-Kilo-Sack voll Reis tragen, leichtfüßig an einem vorbeirennen.

Insgesamt hat mir das kühlere Klima (Anne lacht mich immer aus, wenn ich das sage – aber ich zieh mir ja mittlerweile bei 25 Grad auch ne Strickjacke an) und die Landschaft sehr gut gefallen. Die verschiedenen Landesteile der Philippinen – Mindanao, Visayas, Luzon – sind wirklich sehr unterschiedlich voneinander. Landschaft, Leute, Klima, vieles ist anders. Faszinierend.

Reisterassen in Batad. Nur nach mehrstündiger Bergwanderung erreichbar.

Reisterassen in Batad. Nur nach mehrstündiger Bergwanderung erreichbar.

Viele Orte in den Bergen sind schwer zugänglich, deshalb werden die Jeeps so voll gemacht, wie nur möglich.

Viele Orte in den Bergen sind schwer zugänglich, deshalb werden die wenigen Jeeps, die dorthin fahren, so voll gemacht, wie nur möglich.

Zum Abschluss unserer Reise sind wir noch anderthalb Tage in Manila geblieben, haben dort aber kaum etwas unternommen, außer einem halbherzigen Besuch in der gigantisch großen Mall of Asia. Einen Tag nachdem wir aus dem Norden weggefahren waren, kam dort ein Taifun an – ich bin ganz froh über dieses timing. Am Flughafen in Manila haben Anne und ich uns dann verabschiedet – sie flog nach einem unvergesslichen Urlaub zurück nach Deutschland, und ich nach Davao.

Wieder „zu Hause“

Hier bin ich jetzt wieder. Ich muss meine Aussage vom Beginn des Textes ein wenig relativieren – mittlerweile ist das Wetter sogar noch ein bisschen heißer. Heute waren es laut Wetterbericht gefühlte 42°C. Das ist ganz schön heiß. Aber ich fühle mich trotzdem wohl und merke, wie gerne ich nach Davao zurückkomme. Es fühlt sich sogar mittlerweile ein bisschen wie ein Zuhause an. Ich hatte eine kurze Arbeitswoche, in der ich mich gefreut habe,  meine KollegInnen wiederzusehen und ein paar Dinge aufzuarbeiten, die angefallen sind. Aber übermorgen geht schon das Training im Mindanao Peacebuilding Institute los. Da bilde ich mich zu Grundlagen der Konflikttransformation weiter. Bin schon gespannt.

Gestern hatte ich außerdem gemeinsam mit einer philippinischen Freundin eine verspätete Geburtstagsfeier mit ein paar guten Freunden. Ein schönes Abendessen, gute Laune und sehr süße Geschenke haben für eine sehr glückliche Lara gesorgt.

Geburtstagskinder mit Geburtstagstorte.

Geburtstagskinder mit Geburtstagstorte.

Bis bald meine Lieben.
Ich umarme euch ganz fest,
eure Lara