Halbzeit!
1 03 2011Nun ist es also wirklich so weit – 6 Monate sind rum, 6 habe ich noch vor mir.
Ich habe am Zwischenseminar teilgenommen und hatte da Zeit, um kurz innezuhalten und über vergangenes und noch kommendes nachzudenken. Dann hatte ich die seltene Chance, selber als Freiwillige ein Zwischenseminar für andere Freiwillige zu leiten, weil ich für Inge eingesprungen bin, die wegen eines Notfalls nach Deutschland musste. Das war eine grosse Herausforderung und nicht gerade einfach – aber interessanterweise hat mir die Beobachter- und Beraterrolle auch selbst nochmal geholfen, besser zu verstehen, auf was es ankommt.
Und wie gehts mir jetzt?
Im Moment bin ich ziemlich erschöpft, aber meistens gut drauf (nen schlechten Tag hat man ja immer mal dazwischen…). Es ist viel zu tun, das hat sich seit meinem letzten Artikel nicht geändert, und meine Pläne für das nächste halbe Jahr sind vielfältig und aufregend. Besuche von deutschen Freunden, strategischer Planungsworkshop mit dem forumZFD, Besuche bei anderen Freiwilligen in anderen Teilen der Philippinen, zwei Wochen Fortbildungskurse am Mindanao Peacebuilding Institute zu den Themen Konflikttransformation und Peacebuilding Mechanismen in indigenen Gemeinschaften in Mindanao, eine Asienreise (Bangkok, Kuala Lumpur, Singapur und Yogyakarta (Daniels Kommentar dazu: „Städtereise durch Asien? Ist ja widerlich!“ – aber wir werden zumindest von Bangkok und Yogyakarta aus einige Trips ins Umland unternehmen)), ein Fortbildungsworkshop zum Do-No-Harm Prinzip in der Friedensarbeit und, und, und… dazu kommt selbstverständlich die ganz normale Arbeit im Büro (ich habe zwei Ideen für eigene Projekte, die ich aber erstmal ein bisschen ausarbeiten will, bis ich darüber berichte), ein bisschen Sport, ein bisschen Spass mit Freunden und seit neuestem auch wieder verstärktes Engagement bei BIMUN/SINUB aus Übersee.
Puh. Ich bin irgendwie schon völlig alle, wenn ich das nur lese. Aber auch total aufgeregt. Ich muss nur mal ein bisschen atmen und schlafen in den nächsten Wochen, dann kann es losgehen. Yay!
Und was hab ich gelernt in den letzten sechs Monaten?
Vor allem ist mir klargeworden, wie aufwendig und schwierig es ist, ein Projekt der Entwicklungszusammenarbeit in einem fremden Land aufzubauen und durchzuführen. Und damit ist das Hauptziel meines Aufenthalts hier schon fast erreicht – einen ehrlichen Eindruck von der EZ zu bekommen, nachdem ich im Studium zwar auch viel Kritisches zur EZ gelesen habe, aber man sich ja eigentlich nie wirklich vorstellen konnte, was die ganz normalen Stolpersteine in der alltäglichen Arbeit sind. Man lernt auch über sich einiges, wenn man so weit weg ist und sich in so einer fremden Kultur einleben muss, aber was genau das ist, kann ich noch nicht wirklich sagen… ist ja meisten schwer zu greifen sowas. Bin mal gespannt, ob ihr findet, dass ich mich sehr verändert habe, wenn ich wiederkomme!
Denn ja – auch die Gedanken an die Rückkehr werden jetzt konkreter. Ich habe gemerkt, wie schnell solche 6 Monate rumgehen, also wieso sollten mir die nächsten 6 länger vorkommen? Die Vorfreude aufs Wiedersehen wächst!
In dem Sinne, heute mal wieder ohne Bilder, aber dafür nachdenkliche/glückliche/erschöpfte/vorfreudige Grüße,
eure Lara