Mindanao Week of Peace
5 12 2010Ihr Lieben,
und schon ist der Dezember angebrochen… die Zeit rast förmlich! Das erste Viertel ist rum und es geht mit Riesenschritten auf Weihnachten zu. Meine Gedanken und Erlebnisse zur Adventszeit spare ich mir aber noch bis nächste Woche auf, denn es gibt von der Arbeit zu berichten. Bis zum 3. Dezember wurde hier die “Mindanao Week of Peace” begangen. Diese Woche wurde von einer Organisation namens “Bishops Ulama Conference” – einem Forum für interreligiösen Dialog – vor einigen Jahren ins Leben gerufen, um dem Friedensprozess ein größeres öffentliches Profil zu geben. Während der Woche finden also überall auf Mindanao sogenannte awareness-raising Veranstaltungen statt, mit denen man hofft, eine immer breitere Masse zu erreichen und mehr Unterstützung für den Friedensprozess zu mobilisieren.

Da ist das forumZFD natürlich mit dabei. Gemeinsam mit einer unserer Partnerorganisationen AFRIM (Alternative Forum for Research in Mindanao) haben wir eine Veranstaltungsreihe organisiert, die in fünf Universitäten in Davao und Umgebung stattfand. Das Event mit dem Namen: “Understanding the Mindanao Conflict: A Peace Forum Series” zielte vor allem darauf ab, ein größeres Verständnis für die historischen Wurzeln des Konflikts und die berechtigten Positionen aller beteiligten Parteien zu schaffen.
Ich war an der Vorbereitung nicht beteiligt, konnte aber an zwei der fünf Veranstaltungen teilnehmen. Der Ablauf war ungefähr folgendermaßen: Alle Mitarbeiter vom forumZFD und von AFRIM sowie die beiden externen Referenten waren pünktlich da. Dann haben wir eine Stunde gewartet, bis es wirklich losgehen konnte. Den Auftakt machten dann die gastgebenden Unis, meistens ein besonders engagierter Student (in diesem Fall steht die männliche Form für beide Geschlechter – sorry meine Feministenfreunde, ich bin jetzt mal faul!) und ein Mitglied des Lehrkörpers. Dann gab mein Kollege Daniel einen kurzen Überblick und vor allem eine Erklärung, was das Ganze sollte.
Danach begann der inhaltliche Teil. Unser erste Referent, Br. Karl Gaspar ist ein exzellenter Redner und hat einen tollen Rundumschlag über die Geschichte Mindanaos präsentiert. Ich war völlig hin und weg – es ist sehr, sehr selten, dass ich jemandem anderthalb Stunden lang begeistert zuhören kann. Seine Präsentation erklärte, wie der Einfluss des Islams über den Handel im Mittelalter auf die Philippinen kam (übrigens ohne Zwang und Kolonisierung, das war mir vorher nicht ganz so klar gewesen), wie vor allem der Süden der Philippinen lange in Sultanaten organisiert war. Als dann im 16. Jahrhundert die Spanier kamen, brachten sie Katholizismus mit. Drei Punkte, die hier erwähnenswert sind: Erstens: Der erste Entdeckungs- bzw. Kolonisierungsversuch scheiterte – Magellan wurde auf den Philippinen von einem Stammeshäuptling getötet. Zweitens: Man muss sich in Erinnerung rufen, dass die Spanier vorher ziemlich schlechte Erfahrungen mit Muslimen gemacht hatten, als die Araber Teile der iberischen Halbinsel erobert hatten. Und drittens: Dieses negative Bild vom Islam übertrugen sie direkt auf die islamisierte Bevölkerung des neu entdeckten Landes, samt des Namens. Bis heute werden die Muslime in Mindanao “Moro” genannt, der spanische Name für “Mohr”, was ursprünglich abwertend war. Mittlerweile hat die Unabhängigkeitsbewegung das aber umgedeutet und verwendet den Begriff als identitätsstiftendes Merkmal im Widerstand gegen die philippinische Zentralregierung.

Karl und seine Praesentation. Sorry fuer die schlechte Qualitaet.
Ich werde nicht weiter ins Detail gehen, aber Brother Karl hat sehr anschaulich gezeigt, dass die Siedlungspolitik der amerikanischen Kolonialregierung und später der philippinischen Zentralregierung im 20. Jahrhundert, durch die christliche Siedler Land auf Mindanao übertragen bekamen, den muslimischen Gemeinden und anderen indigenen Bevölkerungsgruppen ihr angestammtes Land quasi stahl. Und dass die Dämonisierung des Islams, die mit den Spaniern anfing, bis heute dazu führt, dass Hass und Angst vor dem Unbekannten die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen auf den Philippinen vergiften.

Das Publikum. Ich finde philippinische Schueler und Studenten sind unglaublich brav und konzentrieren sich viel besser, als man das von zu Hause gewoehnt ist.
Ich hatte das Vergnügen, den anderthalbstündigen Vortrag zu filmen. Ohne Stativ. Da lohnten sich die Muskeln, die ich durch das Yoga mittlerweile ein bisschen antrainiert habe, doch direkt mal. Wenn es was geworden ist, machen wir aus dem Video vielleicht auch was zur weiteren Verwendung.
Auf diesen Teil folgte ein kurzer Film, den das forumZFD im Frühjahr 2010 gemeinsam mit einigen zivilgesellschaftlichen Organisationen gedreht hat. “Mindanao: Stimmen für den Frieden” zeigt vor allem, wie der Konflikt die Binnenflüchtlinge beeinflusst (die Philippinen waren 2008 das Land mit der höchsten Zahl an Binnenflüchtlingen, nachdem das letzte Friedensabkommen gescheitert war) und zeigt Beispiele, wie sich Menschen auf Mindanao für den Frieden einsetzen. Ich hoffe, der Film wird irgendwann mal auf der forumZFD Homepage hochgeladen, dann kann ich ihn verlinken.
Zum Abschluss hat dann Syrian Bai Sancopan von ihren Erfahrungen als Binnenflüchtling berichtet. Sie hat lange in Flüchtlingscamps gelebt und engagiert sich als Betroffene dafür, dass die Stimmen der Vertriebenen im Friedensprozess gehört werden und stärker berücksichtigt werden. Leider war ihr Vortrag komplett auf Tagalog, sodass ich vom Inhalt kaum was verstanden habe. Aber es schien sehr bedrückt und emotional und die Schüler/Studenten hingen an ihren Lippen. Es war sehr bewegend trotz Sprachbarriere. Im anschließenden offenen Forum konnte das Publikum Fragen stellen und Karl und Syrian haben geantwortet. Diese Runde hat das ganze Event schön abgerundet.

Syrian am Rednerpult.

Fragerunde.
Insgesamt würde ich sagen, dass die Veranstaltung sehr informativ war und von den Zuhörern mit großem Interesse aufgenommen wurde. Es hat Spaß gemacht, mal zu sehen, wie unsere Arbeit konkret umgesetzt und rezipiert wird. Ich hoffe, für euch war das auch mal interessant.
Bis bald also,
viele liebe Grüße und Umarmungen,
eure Lara
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